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 Betreff des Beitrags: RENN, WENN DU KANNST (27.07.2010)
BeitragVerfasst: Di, 27.07.2010, 14:15 
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Sneakmaster
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Registriert: Mo, 14.04.2003, 14:05
Beiträge: 4209
Wohnort: Hannover
Hallo! Liebe Sneaker!

Hier könnt Ihr wieder Eure ganz persönliche Kritik zum Sneakfilm der Woche loswerden.

Mit "Renn, wenn du kannst" gab es diese Woche eine deutsche Komödie/Drama in unserer Sneak.

Vergesst bitte nicht, Eure Kritik mit einer Schulnote von 1 bis 6 (Zwischennoten sind erlaubt) zu beenden!

In diesem Sinne

Euer Obersneaker

Heiko :biggrin:

Bitte beachten, dass nicht nur Give Aways an einige Kritiker verteilt werden, sondern auch jede Woche zwei Kritiker mit der "Kritik der Woche" eine Freikarte für die nächste Sneak erhalten. Besonders fleissige Kritikenschreiber haben auch 2010 die Möglichkeit, eine Jahreskarte zu gewinnen.

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     Betreff des Beitrags: Re: RENN, WENN DU KANNST (27.07.2010)
    BeitragVerfasst: Mi, 28.07.2010, 12:53 
    Offline
    Kameramann

    Registriert: Mi, 03.09.2008, 07:39
    Beiträge: 76
    Toller Film, der am Ende vielleicht ein wenig zu konstruiert war. Schmälert den positiven Gesamteindruck aber nicht.
    Wäre wahrscheinlich nie auf die Idee gekommen ihn mir anzuschauen, wenn er denn überhaupt irgendwo in Hannover anlaufen sollte.
    Dafür ist die Sneak da! Da verzeiht man auch mal den einen oder anderen Griff ins Klo.
    Für mich eine 2 mit einem dicken + und eine uneingeschränkte Weiterempfehlung. Auf das er die Zuschauerzahlen bekommt, die er verdient!


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     Betreff des Beitrags: Re: RENN, WENN DU KANNST (27.07.2010)
    BeitragVerfasst: Mi, 28.07.2010, 15:34 
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    Statist
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    Registriert: Mi, 30.09.2009, 14:52
    Beiträge: 52
    Wohnort: Hannover
    Mit einem Fernglas in der Hand sitzt er jeden Tag auf seinem Balkon hoch über der Skyline von Duisburg und beobachtet die Welt, zu der er nur noch auf vier Rädern Zutritt hat: Benjamin ist seit einem schweren Unfall von der Hüfte abwärts gelähmt und daher auf ständige Betreuung angewiesen. Seine Trauer und Wut kompensiert er, indem er seine Umwelt mit Verachtung straft, diverse Lügengeschichten über sein Leben erfindet und die ihm zugeteilten Zivildienstleistenden verbal schikaniert. So ergeht es zunächst auch Christian, der sich Bens beißendem Zynismus aber trotzig erwehren kann. Es bliebe womöglich bei einem lockeren Zweckbündnis, wenn die Runde nicht durch die angehende Cellistin Annika komplettiert würde. Zwischen den dreien entwickelt sich eine kurze, aber innige Freundschaft, die aber nicht ohne Komplikationen bleibt.

    „Die große Liebe, mein Zivi und ich“ - angesichts der dramaturgischen Konstellation deutet alles auf eine profane, moralinsaure Dreiecksgeschichte hin. Doch Regisseur und Drehbuchautor Dietrich Brüggemann gelingt das Kunststück, den schwermütigen Stoff als leichtfüßige Coming-of-Age-Geschichte mit geradezu ansteckender Lebensfreude zu inszenieren.

    Geschuldet ist dies einerseits dem überragenden Drehbuch, das mit erfrischend pointiertem Wortwitz überzeugt, gleichzeitig aber nie den ernsthaften Grundtenor der Geschichte aus den Augen verliert und so jederzeit die Balance zwischen Tragik und Komik beibehält.

    Auf der anderen Seite ist „Renn, wenn du kannst“ ein Musterbeispiel für perfektes Casting: Anna Brüggemann, die das Drehbuch mitverfasste, Jacob Matschenz und Robert Gwisdek sind als Darstellertrio schlicht eine Offenbahrung. Dieser Eindruck wird zusätzlich dadurch forciert, dass die drei ihre stärksten Momente trotz aller Dialograffinesse dann erhalten, wenn keine Worte, sondern Blicke und Gesten das Geschehen bestimmen: Selten haben eine hochgezogene Augenbraue, eine schnelle Handbewegung oder ein skeptischer Gesichtsausdruck eine deutlichere Ausdruckskraft besessen.

    Bemerkenswert unverkrampft ist auch die Darstellung des Behindertenalltages: Wenn Christian gefühlte Stunden braucht, um Ben vom Rollstuhl in sein handgasbetriebenes Auto zu hieven, so ist das vor allem erstklassige Situationskomik mit Tendenz zum Slapstick, die aber keinen von beiden zur Lachnummer verkommen lässt. Weitaus heikler wird es, wenn Ben den Akt der körperlichen Liebe vollbringen will, dies aber nur durch Hilfsmittel möglich ist. „Einfach machen geht nicht“, sagt er und bringt diesen Umstand als selbstverständliche Tatsache zur Sprache, ohne dass die geschilderte Situation zur melodramatischen Mitleidsbekundung verkommt.

    Dieser Tonfall bleibt bis zum Ende erhalten, auch wenn die emotionale Schraube in den letzten fünfzehn Minuten etwas angezogen wird. Spätestens aber, wenn die drei am Ende wieder zusammensitzen und in die Ferne blicken, möchte man sich am liebsten dazugesellen und mit ihnen schweigend von Segelschiffen träumen, die am Horizont des wasserüberfluteten Ruhrgebietes kreuzen.

    Lustig, traurig, dramatisch, wahrhaftig, melancholisch und hemmungslos optimistisch. „Renn, wenn du kannst“ ist Kino für die Seele, ein Jungbrunnen voller frischer Ideen, mutig und unbekümmert in seiner Erzählweise. Was das Leben auch bringen mag, packen wir es an, solange wir können! Meine nächste Wohnung hat definitiv einen Balkon.

    Note: 1


    @Heiko:
    Danke schön und dickes Kompliment für die Filmauswahl der letzten beiden Wochen :-)

    _________________
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     Betreff des Beitrags: Re: RENN, WENN DU KANNST (27.07.2010)
    BeitragVerfasst: Mi, 28.07.2010, 19:11 
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    Kabelträger

    Registriert: Mi, 12.05.2010, 17:21
    Beiträge: 8
    Viel könnte man sagen, genial, hinterhältiger böser Humor ala Dr. House und dann wieder Hammer hart wie ein Zeichentrickamboss der vom Himmel fällt und schließlich wieder zuckersüß wie ein Erdbeereis.Ganz großes Kino.
    Ich war baff und deswegen will ich auch gar nicht viel schreiben.
    Der Film ist genial.

    6 Euro kostet die Karte und ist jeden Cent wert. Ich hätte auch für mein Stammkino (Luxuskino 20 Plätze, Ledersessel, Karte kostet da 10 Euro) bezhalt.

    Note: 1


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     Betreff des Beitrags: Re: RENN, WENN DU KANNST (27.07.2010)
    BeitragVerfasst: Mi, 28.07.2010, 22:55 
    Offline
    Kabelträger
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    Registriert: Di, 11.05.2010, 22:02
    Beiträge: 2
    Renn, wenn du kannst


    Diese Woche gab es eine Tragikomödie von Dietrich Brüggemann in der Sneak. Mir hat der Streifen sehr sehr gut gefallen und ich möchte in dieser Kritik auf die wichtigsten Zutaten eingehen, die für mich das Erfolgsrezept des Films ausmachen.

    1. Identifikationsfaktor:

    Als Annika zu Anfang des Films mit ihrem Fahrrad durch die Straßen fuhr, dachte ich mir kurz: "Wow, das sieht genau aus, wie bei dir um die Ecke". Und das ist auch der erste große Pluspunkt des Film. Die Kulissen sehen einfach mal deutsch aus. Ist natürlich logisch, der Film spielt in Deutschland und wurde hier gedreht. Aber wenn man durch übermäßigen Medienkonsum schon so sehr auf polierte amerikanische Hochglanz-Apartments getrimmt ist, fühlt man sich bei den leicht grauen Wohnhaussiedlungen plötzlich doch ein bisschen zuhause.
    Und meiner Meinung nach wird gerade eine Tragödie wie diese unheimlich durch das Gefühl bereichert, dass sie nicht irgendwo spielt, sondern gleich bei dir in der Nachbarschaft.

    Ähnliches gilt für die Charaktere. Ungefähr mein Alter, Studenten. So etwas verstärkt das Gefühl, dass die Ereignisse nicht irgendwelchen x-beliebigen Personen passieren. Dieses gewisse "Das könntest auch du sein"-Gefühl zieht einen in den Bann.
    Der Übergang zum nächsten Punkt ist an dieser Stelle fließend.

    2. Realismus:

    Christian, der sympathische Zivi. Annika, die kleine verpeilte Künstlerin. Ich habe den ganzen Film über keine Sekunde daran gezweifelt, dass ich die Beiden auch auf der nächsten Studentenparty kennenlernen könnte. Die Charaktere sind echt. Solche Leute gibt es einfach. Wahrscheinlich habe ich sogar schon die eine oder andere Person mit einer vergleichbaren Lebensgeschichte getroffen, ohne es zu wissen.

    Ben ist natürlich ein etwas exotischerer Fall. Aber auch ihn finde ich alles andere als unrealistisch. Wenn ich mich frage, wie ich nach einem derartigen Schicksalsschlag drauf wäre... den Wortwitz würde ich wohl nicht hinbekommen, aber die Grundeinstellung zum Leben wäre wahrscheinlich deckungsgleich.

    Ein weiterer Punkt sind die langen Dialoge. Teilweise 5 Minuten nur Autofahrt und Gespräch. Das traut sich auch nicht jeder Film! Aber mal ernsthaft, echte Gespräche dauern halt einfach keine 30 Sekunden. Vor allem nicht, wenn man im Auto sitzt und jemandem seine Lebensgeschichte erzählt.
    Was wieder ein weiterer Punkt ist. Gewisse Situationen im Film erinnern extrem an das eigene Leben. Nachts Autofahren und tiefgehende Gespräche führen? Mit Freunden zusammensitzen und sich denken "Joah. Wieso kann das jetzt eigentlich nicht für immer so bleiben"? Alles schon erlebt... und deswegen glaube ich es auch dem Film, was es viel leichter macht, in die melancholische Stimmung der Szenen einzutauchen.

    Der Gipfel, an dem der Realismus schon fast schmerzhaft wird, ist natürlich die Sexszene zwischen Annika und Ben. Nein, sie zieht sich nicht den BH aus und das Bild wird bei romantischer Musik langsam schwarz. Das Bild bleibt da, bis zum bitteren Ende. Schwere Kost, aber erfrischend echt und es passt zum Gesamtkonzept.

    3. Interessante Charaktere:

    Hier natürlich besonders Ben. Es ist von der ersten Minute an offensichtlich, dass er seinen Zynismus wie eine Rüstung trägt und darunter eine traumatisierte einsame Person steckt. Aber wie ist er so geworden und schafft er es nochmal, zurück zu den Lebenden zu kommen? Diese Fragen halten den Zuschauer bei der Stange.
    Und die Auflösung fand ich persönlich durchaus befriedigend. Man stelle sich nur mal vor... Autounfall, von einem Moment auf den anderen ist die Freundin tot und man selbst sitzt im Rollstuhl. Das ist ein unglaublich harter Schicksalsschlag. Aber auch wieder einer, von dem ich mir vorstellen kann, dass er exakt so passiert.

    Ben ist in der Situation vor allem ehrlich zu sich selbst. Er weiß, dass er für Annika nicht der Beschützer sein kann. Er weiß, dass seine Chancen auf Liebe sich auf eine Partnerschaft mit einer Rollstuhlfahrerin oder eine Patient-Pflegerin-Beziehung beschränken. Beides widert ihn an.
    Die letztliche Entscheidung, dass es für ihn keinen Platz mehr auf der Welt gibt, außer den Grund des Sees, wo seine große Liebe auf ihn wartet, ist erschreckend nachvollziehbar.

    Am Ende des Film siegt allerdings der Optimismus. Annika und Christian retten Ben in letzter Minute. Er überwindet sein Trauma und schließt mit dem Tod seiner Freundin ab.
    Ergreifend und inspirierend oder doch nur klischeehaftes Happy End? Auf alle Fälle großes Kino.

    4. Attitüde:

    Eines hat mir an dem Film besonders gefallen. Die politisch korrekte Moralkeule glänzte durch angenehme Abwesenheit. Bei einem Film über einen Behinderten erwartet man natürlich das typische "So, an dieser Stelle jetzt bitte ganz doll betroffen sein" und hier bitte denken "Wow, du bist ganz ganz tapfer, Herr Rollstuhlfahrer". Hierauf verzichten die Autoren ganz bewusst und das ist gut so. Eine große Stolperfalle, die den Film hätte ruinieren können, wurde gekonnt umgangen.

    5. Und sonst so:

    Großartiger Humor, exzellenter Soundtrack, sehr gute schauspielerische Leistungen, vor allem von Robert Gwisdek als Ben.

    Wenn ich eine Sache an dem Film zu kritisieren habe, dann sind es die teilweise etwas seltsamen Zeitfenster. Annikas Konzert ist am "Freitag, dieser Woche". Das heißt, die drei werden von Fremden zu engsten Freunden in maximal fünf Tagen? Bisschen knapp bemessen das Ganze. Hier wäre ein Schnitt von 2-3 Monaten vielleicht besser gewesen.
    Aber den Gesamteindruck schmälert das nur geringfügig.



    Fazit:
    Eine tolle Mischung aus Drama und Komödie. Fesselt einen im Kinosessel und lässt bis zum Ende nicht mehr los.
    Für mich persönlich ein Kino-Highlight 2010.


    Note: 1+

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     Betreff des Beitrags: Re: RENN, WENN DU KANNST (27.07.2010)
    BeitragVerfasst: Fr, 30.07.2010, 09:21 
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    Ben (Robert Gwisdek), nach einem Unfall querschnittsgelähmt und verbittert, versauert irgendwo in der Duisburger Plattenbautristesse. Seine einzigen Hobbies: Zivis quälen und mit dem Fernglas eine hübsche Radfahrerin dabei zu beobachten, wie sie jeden Tag bei rot über die Ampel fährt. Mit seinem neuen Zivi Christian (Jacob Matschenz) und einem Unfall tritt auch die Radfahrerin - Cellistin Annika (Anna Brüggemann) in sein Leben. Nur - was macht er jetzt mit den beiden und seinem Leben?

    Darf man über/mit Behinderten lachen? Am Anfang ist man als Zuschauer leicht gehemmt, beim Einblenden des Titels muss man aber doch lachen. Es gibt ja auch Lachen aus Betroffenheit.
    Aber im Ernst, häufig ist der Humor im Film eher schwarz und hat einen sehr bitteren Unterton, was dem Thema wohl angemessen ist. Die Dialoge, besonders von Ben, sind häufig zum Schreien komisch und sehr innovativ.
    "Renn, wenn du kannst" beginnt eher als Komödie und driftet erst mit der Entwicklung eines schwierigen Beziehungsdreiecks langsam ins Dramatische. Trotz lustiger Szenen scheut sich der Film nicht, auch den schwierigen Alltag eines Behinderten zu zeigen - geht es dabei nun um alltägliche Dinge wie Toilettenbesuche oder die absolut außergewöhnlichen wie Sex, der nicht nur eine körperliche sondern auch eine emotionale Hürde darstellt, die genommen werden muss.
    Gerade die schwierigen Szenen hindern den Film daran, eine seichte "Kommödie mit Behinderten" zu werden. Genau wie die lustigen Szenen ein "typisch deutsches" schweres Drama mit Randgruppe verhindern. Toll fand ich auch, dass es kein klassisches Happy End gab - oder gab es eins?

    "Renn, wenn du kannst" hätte ich mir nie im Leben im Kino angeguckt, aber ich fand den Film großartig. Tolle Darsteller (besonders Robert Gwisdek) und eine großartige Story - langsam ändert die Sneak meine Meinung zum "Deutschen Film"!

    Von mir gibts eine

    1-


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     Betreff des Beitrags: Re: RENN, WENN DU KANNST (27.07.2010)
    BeitragVerfasst: Sa, 31.07.2010, 12:47 
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    Renn, wenn du kannst

    Die klassische Menage-a-troi im Film ist ein wenig aus der Mode gekommen, daher überrascht der erste Eindruck, den man von Dietrich Brüggemanns "Renn, wenn du kannst" bekommen kann. Drei zentrale Figuren, die nacheinander miteinander in Berührung kommen und schließlich eine Art Freundschaftsbündnis schließen, bis die Liebe auf den Plan tritt.
    Dabei sitzt Benjamin von der Hüfte abwärts gelähmt im Rollstuhl, Christian wird sein neuer Zivi und die Musikstudentin Annika überfährt nicht nur verpeilt beinahe Christian mit dem Fahrrad, sie ist auch seit Jahren das heimliche Objekt der Begierde Bens, der sie mittels Fernglas vom Balkon seiner Bottroper Vorstadtsiedlung beobachtet.

    Was so beschrieben nach einem Freundschaftsdrama klingt, beginnt jedoch mit ungeahnter Frische als knackige Komödie.
    Ben gestaltet sich nur als kleiner zynischer Tyrann, sondern auch als verbal trocken marodierendes Arschloch, das seine gesamte Umgebung entweder nicht ernst oder als psychologische Spielwiese nimmt. Schon in der ersten Pre-Title-Sequenz quält er mit nöligen Anweisungen voll unendlicher Herablassung seinen alten Zivi, bis dieser bei der Montage eines Modelschiffs in einem gefährlich aussehenden Akt vom Tisch stürzt, Bens Laptop und sein Goldfischglas zerstört und sich fast umbringt. Kurz darauf geht seine Magisterarbeit durchs offene Fenster flöten, ein Katalysator, der die drei Menschen näher bringen wird.

    In der Folge raufen sich Christian und Ben notgedrungen, aber nicht gänzlich unsympathisch zusammen, woraufhin Ben den zögernden Zivi eben auf Annika hetzt (deren Fahrrad man repariert hat). Das hat noch weitere komische Verwicklungen zur Folge, ehe der Film ab dem zweiten Drittel langsam aber sicher an Drama-Anteilen dazu gewinnt.
    Wer mit wem und wann und wie überhaupt - das werden alsbald vorherrschende Themen von ungewöhnlicher Natürlichkeit.
    Annika muß sich in ihrem Studium durchsetzen, Christian sitzt wegen Bens Gefühlen in der Zwickmühle und Ben selbst schwankt zwischen echter Liebe und dem zynisch eingefärbten Wissen um seinen Zustand und die Folgen für die Beziehung mit einem gesunden Menschen.

    Brüggemann inszeniert diesen Film zumeist mit leichter Hand und gefällt in den Sequenzen, in der das Gefühlsleben halb zärtlich, halb bissig ausgebreitet wird. Das typische Rollstuhldrama läßt er nie ganz in den Mittelpunkt geraten, sondern erzählt seine Geschichte just so, als wären die zu erwartenden Probleme schon bekannt und die Figuren müßten glänzen. Natürlich hat die gesundheitliche Situation Bens das meiste Gewicht und sein langsames Auftauen und sein Umgang mit der schwierigen Situation wird selten deutlicher als in den einprägsamen Situationen, wenn er einerseits ahnt, daß zwischen Christian und Annika sich etwas abspielen könnte (noch dazu nebenan) und später, wenn er selbst am Ziel angekommen scheint und eine intime Szene notgedrungen durch die medizinischen Realitäten kaputt gemacht wird.

    Wenn Robert Gwisdek mit müder Stimme die Vorgehensweise für den nun möglichen Sexualakt aufzählt, wohlwissend, daß er gerade jegliche Stimmung abtötet, ja abtöten muß, wenn das wirklich etwas werden soll, ist einer der Höhepunkte des Films: traurig, bissig, herb und dennoch stets witzig.
    Gwisdek hat die besten Texte und sein verkniffenes Gesicht ist eine Offenbarung, wenn er zu den Bemühungen der ihn pflegenden Menschen launig Kommentare nuschelt und an sich unendlich müde erscheint. Als Annika liefert Anna Brüggemann, die Schwester des Regisseurs eine nuancierte Leistung irgendwo zwischen intelligenter Frau, verunsichertem Mäuschen und dröseliger Studentin ab, während Jacob Matschenz (Christian) dagegen leider gar nicht ankommt. Obwohl er in einigen Szenen wirklich brilliert, verschwindet er mit fortschreitender Lauflänge immer mehr im Feld, bis er scheinbar ganz aus der Handlung ausscheidet und erst zum Finale wieder antritt.

    Bis dahin hat sich ein Film entwickelt, der weder neu noch innovativ ist, weder thematisch unbeackert, noch wirklich auf ein Thema fokussiert; jedoch schafft er es drei Menschen, die Freunde werden, wirklich zum Leben zu erwecken, so daß das Publikum ständig mit ihnen mitleidet und lebt. Mag das einigen Leuten zu unzentriert sein, so macht der Film trotz ernster Thematik vor allem eines: Spaß. Der menschliche und emotionale Weg, den die drei gehen, ist so anrührend wie realistisch und in einigen Szenen, vor allem wenn sie nachts auf dem Hochhausbalkon ausharren wirds sogar magisch für ein paar Momente - was zur Folge hat, daß das Publikum nicht nur mitfühlt, sondern sich auch verstanden fühlt.

    So bildet der Film auch folglich nur einen nachvollziehbaren Entwicklungsprozess ab, an deren Ende kein Happy Ende, sondern Folgerichtigkeit steht - zum Schluß bleibt wieder ein Moment für die Ewigkeit, hinter dem ein Abschied, möglicherweise für immer steht. Die Freunde trennen sich, gehen in unterschiedliche Richtungen und bleiben doch, was sie immer waren: Musikstudentin, Medizinstudent und ein Schwerbehinderter, der das nächste Kapitel mit dem nächsten Zivi aufschlägt - bleibt nur die Hoffnung, das alle an den Erfahrungen gewachsen sind.
    Bis es aber dazu kommt, erlaubt Brüggemann das Eintauchen in die gesamte Gefühlspalette, spielt mit Slapstick und Screwballkomödie und sorgt im entsprechend eingestimmten Zuschauerraum für zahlreiche Lachsalven. "Renn, wenn du kannst" ist so zutiefst menschlich geraten und bleibt so sympathisch, wenn auch vielleicht nicht ganz ausgereift. Der dramatische Höhepunkt, samt Aufklärung persönlicher Hintergründe und Nahtoderfahrung sind vielleicht nicht gerade frisch aus dem Regal entnommen und wirken etwas forciert, aber übertrieben wird nur selten und der Ton, in dem der ganze Film inszeniert ist, wird bis zum Ende gehalten.
    Das Leben vor dem Tod in Bottrop - alles ist möglich.
    1-

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    Hypno (1962)
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     Betreff des Beitrags: Re: RENN, WENN DU KANNST (27.07.2010)
    BeitragVerfasst: Sa, 31.07.2010, 16:39 
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    Die starke Sneak-Juli ging weiter:

    Auch "Renn, wenn Du kannst" ist ein superbes Stück Filmkunst. Glaubwürdig, ernsthaft, gefühlvoll und gleichzeitig ein fast konstantes Humorlevel der Marke "früher Stromberg". So etwas funktioniert selten - hier aber schon!

    Zugleich erlebt man eine der schönsten und unaufdringlichsten Dreiecksgeschichten der jüngeren Filmgeschichte. Dass einer der Protagonisten schwerbehindert ist, drängt den Film wider Erwarten nicht in eine moralinsaure Ecke, sondert zeichnet ein fast nüchternes Bild der Tücken des Alltags, wenn Beine und zum Teil auch Hände dem Willen nicht gehorchen. Robert Gwisdeks Leistung ist gar nicht stark genug zu betonen. Auch Jacob Matschenz und
    Anna Brüggemann spielen wirklich bemerkenswert.

    Insgesamt waren die zwei Stunden Film aufgrund der vorhandenen Sogwirkung viel zu schnell vorbei. Großen Respekt auch an die Drehbuchautoren: Die Dialoge sitzen und auch innovative inszeniatorische Ideen gab es nicht zu knapp (nur die Himmelspfrote hätte man sich verkneifen können).

    Schon wieder: 1-

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    Meine Freiheit heißt, daß ich Geschäfte machen kann.
    Und deine Freiheit heißt, du kriegst bei mir einen Posten.
    Und da du meine Waren kaufen mußt, stell ich dich bei mir an.
    Dadurch verursacht deine Freiheit keine Kosten.

    Bild
    Wenn dir das vielleicht nicht logisch vorkommt, denk an eines bloß:
    Ohne meine Freiheit bist du arbeitslos!


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     Betreff des Beitrags: Re: RENN, WENN DU KANNST (27.07.2010)
    BeitragVerfasst: Sa, 31.07.2010, 21:58 
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     Betreff des Beitrags: Re: RENN, WENN DU KANNST (27.07.2010)
    BeitragVerfasst: So, 01.08.2010, 00:27 
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    Diesmal gab es eine deutsche Komödie bzw. ein lustiges Drama namens „Renn, wenn du kannst“.
    Als erstes lernen wir den Querschnittsgelähmten Studenten Ben (Robert Gwisdek) kennen, der seit einem Unfall im Rollstuhl sitzt und seine Umwelt hauptsächlich durch das Fernglas auf seinem Balkon sitzend wahrnimmt. Ansonsten hat er sich in einen Panzer aus Zynismus eingehüllt. Sein größter Spaß ist es seine Zivis verbal zu quälen, er kommandiert sie rum und nennt sie grundsätzlich Schwester.
    Der Film fängt dann auch damit an, dass sich der letzte Zivi von Ben, aufgrund seiner Befehle, fast durch einen Unfall umbringt. Dann kommt der neue Zivi von Ben dazu, es ist Christian (Jacob Matschenz), dieser lässt sich die Bösartigkeit von Ben nicht gefallen, sondern bietet ihm schlagfertig Paroli. Bis dahin könnte es ein ganz „normaler“ Film über die beginnende Freundschaft zwischen einem Behinderten und seinem Zivi werden, doch dann tritt die Frau in das Leben der beiden, die Ben schon seit zwei Jahren mit seinem Fernglas vom Balkon aus beobachtet. Die Musikstudentin bzw. Cellistin Annika (Anna Brüggemann), die eigentlich sehr gut spielen kann, sich aber selbst nicht viel zutraut. Sie kommt zu den beiden, da sie, wie jeden Tag, bei Rot über die Ampel fährt und dabei den Zivi Christian umfährt.
    Daraus entwickelt sich dann eine untypische Menage a trois, da Christian erst mit Annika anbändelt, diese aber einige Zeit später merkt, dass sie eigentlich Ben interessanter findet. Doch ist diese Liaison natürlich auch nicht einfach, da allein das körperliche bei Ben schwierig ist. Es ist zwar möglich, aber es bedarf einiger Vorbereitungen. So gehört diese Szene zu einer der großartigsten des Films, da hierbei das ganze dramatische doch recht lustig dargestellt wird.
    Am Ende finden sich die drei wieder auf dem Balkon wieder, also da wo alles quasi begann und welche Wege die drei gehen ist total offen, obwohl die tiefe Verbundenheit zwischen den dreien hier hervorragend dargestellt wird.

    Insgesamt lässt es sich über diesen Film sagen, dass man komplett mit den Protagonisten mitfühlen kann, man erlebt quasi das Gleiche wie sie und fühlt sich durchgehend gut aufgehoben. Das zeichnet diesen Film auch aus, man fühlt sich nicht mehr als Zuschauer, sondern als würde man die Ereignisse miterleben. Es ist so wie ein guter Film sein muss, mittendrin statt nur dabei.
    Auch der Sound und die Kameraeinstellung tun dazu hier übrigens.
    Alles in allem ein fast perfekter Film, den ich so nie im Kino gesehen hätte, aber genau dafür wurde die Sneak gemacht. Danke an Heiko dafür.

    Der Film hat nichts anderes als eine Eins verdient, zwar mit einem kleinen Minus, da er zum Ende hin ein wenig nachgelassen hat, aber ansonsten ein wundervoller Film.

    Note also: 1-

    _________________
    Gäbe es nicht das wilde TIER in uns, wir wären kastrierte Engel.
    (Hermann Hesse)


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     Betreff des Beitrags: Re: RENN, WENN DU KANNST (27.07.2010)
    BeitragVerfasst: So, 01.08.2010, 15:10 
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    Statist

    Registriert: Di, 05.01.2010, 13:08
    Beiträge: 68
    Renn, wenn Du kannst ist eine deutsche Komödie um die Freundschaft zwischen einem gelähmten jungen Mann, einem ihm zugeteilten Zivildienstleistenden und einer Studentin.

    Ben sitzt seit einem Unfall im Rollstuhl. Seine Schuldgefühle, weil bei diesem Unfall auch seine Freundin ums Leben gekommen ist, und seinen Frust versteckt er hinter manchmal zynischem, manchmal albernem Verhalten. Sein neuer Betreuer, der Zivildienstleistende Christian schafft es aber mit ihm auszukommen. Sie lernen dann die Musikstudentin Annika kennen, die gut Cello spielt, aber bei Solo-Auftritten immer einen Blackout hat. Zusammen verbringen die drei eine schöne Zeit, aber Ben und Christian verlieben sich beide in Annika, die nacheinander auch an beiden interessiert ist. Nachdem es mit Annika nicht geklappt hat, versucht Ben sich umzubringen, wird aber von Annika unter Einsatz ihres Lebens gerettet. Danach hat Ben immerhin sein altes psychologisches Trauma überwunden und auch Annika kann jetzt mit dem Cello solo auftreten. Am Ende von Christians Zivildienstzeit trennen sich die Lebenswege der drei Freunde dann wieder.

    Trotz des ernsten Themas ist der Film vor allem eine Komödie. Der Humor ist dabei auch intelligent und wirklich lustig, sowohl bei den Dialogen als auch bei der Situationskomik.
    Einiges dabei ist zwar auch recht fies, so das man fast ein schlechtes Gewissen hat, darüber zu lachen, gerade wenn es um das Thema Behinderung geht, aber Behinderte werden hier eben auch nicht anders behandelt als die sonstigen Menschen.
    Gut gefallen hat mir auch, dass trotz der ganzen Komik die Figuren und ihre Probleme ernst genommen und realistisch dargestellt werden.
    Außerdem machen die Schauspieler ihre Sache recht gut, insbesondere Anna Brüggemann als Annika und Robert Gwisdek als Ben. Lediglich Jacob Matschenz als Christian bleibt relativ blass, was aber wohl daran liegt, dass seine Figur schon vom Drehbuch her relativ flach angelegt ist.
    Ansonsten fand ich es schade, dass die Szene mit Bens Traumvision ziemlich aufgesetzt wirkt, aber der Großteil seiner Charakterentwicklung davon abhängt. Meiner Meinung nach hätte etwas mehr davon im Laufe der sonstigen Handlung passieren sollen.

    Insgesamt ist es aber ein schöner Film, der sich mit einem ernsten Thema beschäftigt und trotzdem auch eine Menge zum Lachen bietet.

    Note: 2+


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     Betreff des Beitrags: Re: RENN, WENN DU KANNST (27.07.2010)
    BeitragVerfasst: So, 01.08.2010, 15:53 
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    Renn, wenn du kannst war für mich eine der Überraschungen der Sneak. Ein deutscher Film, der es schafft das tragische Schicksal, des im Rollstuhl sitzenden Ben mit Humor und Leichtigkeit zu verbinden.
    Der Film lebt weniger von der Handlung, als viel mehr von den überzeugend spielenden Hauptdarstellern. Gerade Robert Gwisdek spielt seine Rolle als zynischer Ben, bei dem es kein Zivi lange aushält, besonders überzeugend. Aber auch Jacob Matschenz und Anna Brüggemann fügen sich hervorragend in dem Film ein.

    Alles in allem ist "Renn, wenn du kannst" eine tolle Gradwanderung zwischen Drama und Komödie, die ich jedem nur empfehlen kann.

    Note: 1-


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     Betreff des Beitrags: Re: RENN, WENN DU KANNST (27.07.2010)
    BeitragVerfasst: So, 01.08.2010, 16:09 
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    RENN, WENN DU KANNST
    oder: alles porno

    Regisseur Dietrich Brüggemann hat hier eine Tragikkomödie zustande gebracht, die das nicht unbedingt neue Thema Behinderung zum Gegenstand hat, aber hier weder den Mitleidsbonus ausgespielt, noch sämtliche Behindertenklischees bedient oder Grund zum Fremdschämen gegeben. Er erzählt gefühlsbetont, aber auch humorvoll eine Geschichte über Freundschaft und Liebe:

    Ben (Robert Gwisdek) sitzt seit 7 Jahren nach einem Autounfall querschnittsgelähmt im Rollstuhl. Er bewohnt eine Wohnung am Rande von Duisburg, lässt kurzerhand seine Magisterarbeit aus dem offenen Fenster fliegen, hält sich einen Goldfisch im Tetrapack, geht häufig mit seinem umgebauten Oldtimer allein auf Tour und beobachtet seit 2 Jahren von seinem Balkon aus die Cellostudentin Annika (Anna Brüggemann), die stets mit ihrem Fahrrad zur Musikschule fährt. Ben ist auf Zivildienstleistende angewiesen und benimmt sich wie ein Tyrann, zynisch und herablassend, nennt sie „Schwester“ und macht ihnen das Leben bei ihm zur Hölle. Auch seine Mutter wirft er kurzerhand aus der Wohnung und über den Grund seiner Lähmung denkt er sich ständig neue Lügen aus. Sein neuer Zivi Christian (Jacob Matschenz) lässt sich jedoch von ihm nichts gefallen. Eines Tages fährt die tollpatschige Annika unter den Augen von Ben den Zivi Christian beinahe um, der ihr dann das Rad repariert und es mit Ben im Oldtimer nach Hause bringt und so lernen sich die Drei kennen, werden Freunde, Ben und Christian verlieben sich beide in Annika und auch sie hegt nicht nur für Christian Gefühle, sondern auch für Ben. Obwohl es kein Happy-End gibt, bleiben sie Freunde, wenn das Studium sie „in alle Winde verstreut“.

    Meine Meinung:
    Robert Gwisdek legt hier als Ben eine absolute Topleistung hin. Nicht nur die Darstellung einer Querschnittslähmung gelingt ihm sozusagen fehlerlos, auch der äußerst zwiespältige und anfangs sehr unsympathische Charakter des Ben mit seinem aggressiven Verhalten, seinem derben Sarkasmus, der nichts ernst nimmt und mit menschenverachtenden Sprüchen um sich wirft, andererseits aber auch mit trockenem Humor teilweise geniale Sprüche von sich gibt, erfordert eine überragende schauspielerische Leistung und wird von ihm perfekt gemeistert.

    Aber auch die tragischen Gefühle kommen nicht zu kurz, so wenn Ben zugibt, sich in Annika verliebt zu haben, obwohl ihm die Aussichtslosigkeit dieser Liebe spätestens dann bewusst ist, als sich beide im Bett näher kommen und er vor Annika seinen Blasenkatheter entfernt und sie bittet, die Viagra-Pillen zu holen, woraufhin sie überfordert die Wohnung verlässt, was wiederum bei Ben Suizidgedanken aufkommen lässt. Aber Brüggemann übertreibt hier nicht, lässt das alles nicht gar so tiefgründig und zu Herzen gehend ablaufen, sondern schafft es, leicht und schmerzlos wieder in das andere Extrem überzuwechseln.

    Auch Jacob Matschenz als Christian und Anna Brüggemann als Annika machen einen guten Job, wobei Jacob Matschenz hinter Robert Gwisdek allerdings etwas blass bleibt.

    Fazit:
    Mal wieder ein sehenswerter deutscher Film mit endlich mal nicht immer den gleichen deutschen Gesichtern.

    Note: 2 .


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     Betreff des Beitrags: Re: RENN, WENN DU KANNST (27.07.2010)
    BeitragVerfasst: So, 01.08.2010, 21:11 
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    Renn, wenn du kannst

    Inhalt:
    Ben ist querschnittgelähmt, Rollstuhlfahrer und lässt keine Möglichkeit aus, sein Umfeld für seine eigene Unzufriedenheit büßen zu lassen. So werden seine Zivis genauso als bloße Dienstboten und nötiges Übel gesehen, wie seine Mutter. Einzig eine Fahrradfahrerin, die er aus der Ferne beobachtet findet sein Interesse. So ergeht es zunächst auch Christian, Bens neuem Zivi, nicht viel anders. Doch Christian lässt sich von Ben nicht unterbuttern und wird so für Ben zu einer ebenbürtigen Person. Nachdem die beiden auch noch Fahrradfahrerin Annika kennen lernen, entwickelt sich zwischen den Dreien eine gewisse brüchige Freundschaft.

    Kritik:
    Ein deutscher Film hat erst einmal das Vorurteil zu überwinden, ein deutscher Film zu sein. „Renn, wenn du kannst“ zieht einen sofort in den Bann, durch überzeugende Charaktere und eine überaus glaubwürdige Story. Der Film spielt nicht an irgendwelchen Fantasieorten, sondern an Plätzen die jeder aus seiner Nachbarschaft zu kennen meint. Bens Wohnung ist die typische Studentenbude, im anonymen Hochhausbau, alles ein wenig unorganisiert und chaotisch. Gerade diese Vertrautheiten lassen einen sofort in die Geschichte eintauchen, als ob man die Darsteller schon jahrelang kennt.

    Wer Rollstuhlfahrer kennt wird vieles wieder erkennen, andere werden vielleicht ein wenig mehr Einblick in die Probleme im ganz normalen Alltag, des Lebens auf Rädern, erhalten.

    Die Darsteller sind bestens ausgewählt und verkörpern ihre Rollen überzeugend. Speziell Ben „Robert Gwisdek„ überzeugt hier auf ganzer Linie.

    Zum Ende hin, wird die Geschichte zwar etwas überzogen, aber das schmälert den positiven Gesamteindruck nicht.

    Fazit: Überzeugende, glaubwürdige Geschichte, ohne kitschiges Hollywood Happyend.

    Note: 1

    _________________
    Die letzten Filme: Chloe (OV) 3+ / A single man 2+ / Zu schön um wahr zu sein 3+ / Die Eleganz der Madame Michel 2+ / Gentlemen Broncos 4 / Amelia (OV) 2- / Keep Surfing 3+ / Amelia 3- / Splice 4 / The Messenger 3- / Five Minutes of Heaven (OV) 3+ / Marcello Marcello 2 / Moon 2 / Lügen macht erfinderisch 2+ / Männer al dente 2+ / Moon (OV) 2- / Micmacs 1- / Renn, wenn du kannst 1 / Inception 1- / Kiss & Kill 4- / Mary & Max 2- / Männer im Wasser 3 / Salt 2+ / Ich und Orson Welles 4 / Männertrip 3+ / Cyrus (OV) 4


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     Betreff des Beitrags: Re: RENN, WENN DU KANNST (27.07.2010)
    BeitragVerfasst: Mo, 02.08.2010, 06:07 
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    Registriert: Mi, 07.05.2008, 08:49
    Beiträge: 104
    Wohnort: Hannover
    Sehr schön... :-) .wieder einmal ein "Deutscher Film" der auch mal wieder ganz nett war.
    Was ja sonst sehr selten ist.....für mich meine ich. ;-D
    Geb ne 2.... :biggrin:

    _________________
    LG Nicole


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     Betreff des Beitrags: Re: RENN, WENN DU KANNST (27.07.2010)
    BeitragVerfasst: Mo, 02.08.2010, 10:55 
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    Registriert: Di, 30.09.2008, 22:20
    Beiträge: 162
    Vorweg, wenn man diesen Film gesehen hat, lernt man mindestens drei Dinge:
    1) Duisburg ist mal richtig hässlich! (ich selbst war noch nicht da, bin aber auch nicht sonderlich überrascht)
    2) Wenn man aus Duisburg weg will, ist Hannover unter den Top 3 Auswanderzielen (neben den USA und Moskau…)
    3) Ergo: Hannover ist schöner als Duisburg :biggrin:


    Soviel zum Setting…
    Wie man daraus schon schließen kann, gab es diesmal eine deutsche Produktion in der Sneak. „Heiko riskiert mal wieder was!“ könnte der erfahrene Sneak-Gänger jetzt sagen, denn obwohl die Statistik dagegen spricht, macht sich doch immer eine allgemeine Angst breit, sobald es ersichtlich wird, dass es einen deutschen Film gibt. Und einmal wieder hat sich diese Angst als ungerechtfertigt erwiesen, denn am schlimmsten an „Renn, wenn du kannst“ ist tatsächlich die Hochhaus-Wohnblock-Kulisse. Der Film selbst ist eine angenehme Mischung aus Dreieckskomödie und Behindertendrama. Klingt im ersten Moment schwierig, ist den Machen aber erstaunlich gut gelungen.

    Worum geht es?

    Ben sitzt seit sieben Jahren im Rollstuhl. Sein Lebensinhalt besteht darin, Verlängerungen für seine Magisterarbeit in Komparatistik zu beantragen, seine Zivis (und manchmal auch seine Mutter) zu terrorisieren und einem unbekannten Mädchen jeden Tag beim Vorbeifahren von seinem Balkon in einer Duisburger Hochhaussiedlung zuzuschauen. Er schließt sich selbst mit Absicht von der Gesellschaft aus, denn er denkt, dass er sowieso keine Berechtigung mehr hat an einer Teilhabe. Für ihn sind Behinderte Menschen zweiter Klasse, und weil er selbst nichts mit ihnen zutun haben will, will er sich auch keinem anderen zumuten. Doch dann treten innerhalb kürzester Zeit erst Christian (als neuer Zivi) und die Cello-Studentin Annika in sein Leben. Letzte ist das Mädchen von der Straße, das Ben schon so lange heimlich beobachtet hat. Nun entwickelt sich zwischen den drei Akteuren eine Freundschaft die schnell in eine Romanze zu kippen droht. Ben lässt Christina den Vortritt, da er denkt, ein Behinderter könne keine Beziehung mit einer Nicht-Behinderten führen. Annika hat allerdings ganz Probleme: Sie würde gerne das erste Cello spielen, hat aber Lampenfieber, ist deprimiert deswegen und wirft auch gerne mal mit Büsten um sich, deren wahre Identität sie nicht kennt. Und sie interessiert sich mehr für Ben als für Christian, der im Laufe der Handlung immer mehr zur Nebenfigur gerät, spätestens wenn er nach einem Treppensturz im Krankenhaus liegt, während Ben und Annika sich näher kommen. In jedem guten amerikanischen Drama würde der Held nun mit seiner Geliebten in den Sonnenuntergang reiten (oder in diesem Fall fahren), aber wir sind hier (zum Glück!!!) nicht in Amerika, sondern ich Duisburg (hab ich grad „zum Glück“ geschrieben?) Naja, jedenfalls tickt das deutsche Kino hier ganz anders und lässt den Zuschauer und seine Protagonisten nicht die schwierige Realität der Lage aus den Augen verlieren. Und Annika hat wieder ein Problem. Diesmal mit Bens Impotenz und seiner zynisch-lakonischen Art damit umzugehen. Vielleicht ist ja, so könnte man vermuten, nicht seine Behinderung, die für ihn eine Beziehung unmöglich macht, sondern seine als Schutzmechanismus gewachsene Art und Weise… denn wie sich herausstellt sieht er sich als unwürdig, denn seine Querschnittslähmung resultiert aus einem selbstverschuldeten Unfalls, der ihn zwar nur die Fähigkeit zu gehen, seine Freundin aber ihr Leben gekostet hat.
    Im „Show-Down“ kehrt Ben nun an den Unfallort, einen zugefrorenen See, zurück um sich das Leben zu nehmen. Bewusstlos sieht er sich schon an der Himmelspforte, wird aber nicht hineingelassen. Im Gegensatz zu seinem Alptraum, in dem er zwar auch nicht in den Himmel gelassen wird, stattdessen aber in die Hölle, muss er nun ins Leben zurück…und nutzt diese Gelegenheit auch. Am Ende trennen sich also die Wege der drei. Sie werden, wie sie es nennen, in alle Winde zerstreut um ein neues Leben anzufangen und alle Probleme, und Duisburg, hinter sich zu lassen, denn die größte Behinderung, so lernt Ben, ist nicht die Körperliche, sonder das Hindernis, das er sich selbst im Kopf geschaffen hat!

    „Renn, wenn du kannst“ schafft das, was viele Filme mit dieser komplexen Thematik, dem Leben mit Behinderungen (Ben), dem Übergang zum Erwachsenwerden (Christian) und der Selbstfindung (Annika), nicht schaffen. Weder wird der moralische Zeigefinger erhoben und der Gegenbeweis zu Bens Anti-Behinderteneinstellung erbracht, noch wird Annika die Chance gegeben trotz allem in Duisburg weiterzustudieren. Beide müssen schauen, dass sie ihr Leben selbst wieder auf die Reihe kriegen. Im Laufe des Films entwickeln sie sich von verzweifelt/melancholisch/zynisch zu Mensch mit wenigstens ein bisschen Perspektive und der Zuschauer ist dem Filmemache so unendlich dankbar, dass es kein Liebes-Happy End gibt!
    Dieser Film ist, obwohl es zwischendurch nicht so scheint, ein Plädoyer für das Leben, die Freundschaft und den Mut seine Träume zu verwirklichen! Eine schöne Metapher hierfür findet sich am Ende, wenn alle drei das triste Duisburg gegen eine besser Zukunft eintauschen, auf den Landstraßen der USA, an einer Moskauer Musikhochschule oder in Hannover :lach:


    1-
    :bindaf??r:

    P.S. Besonders gut gefällt mir der Moment als Zivi und Rollstuhlfahrer fasst die Rollen tauschen und Christian halb kaputt im Krankenhaus liegt, während Ben die Räder in die Hand nimmt um seinem Herzen zu folgen! ;-D


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     Betreff des Beitrags: Re: RENN, WENN DU KANNST (27.07.2010)
    BeitragVerfasst: Mo, 02.08.2010, 11:14 
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    Registriert: Mo, 10.05.2010, 19:26
    Beiträge: 2
    Auch wenn der Filmtitel einem erste etwas anderes glauben lässt, ist "Renn, wenn du kannst" ein wunderbarer Film, der trotz des schwierigen Themas nicht ins klischeehafte abrutscht.
    Die drei Hauptdarsteller vollbringen eine respektable Leistung und verleihen dem depressiven Rollstuhlfahrer, seinem Zivi der Arzt werden will aber kein Blut sehen kann und der Cello Spielerin, die kein Solo spielen kann, Authentizität.
    Die Dialoge sind rotzfrech und urkomisch. :lach: Das Ende des Film hätte meiner Meinung nach etwas realitätsnäher ausfallen können, schmälert aber den positiven Gesamteindruck des Films nur leicht.

    :bindaf??r: Note: 1-


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     Betreff des Beitrags: Re: RENN, WENN DU KANNST (27.07.2010)
    BeitragVerfasst: Mo, 02.08.2010, 11:21 
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    Renn wenn du kannst – oder der deutsche Film im Aufwind?

    Der Film verbindet die klassische Dreiecksgeschichte mit einem ernsten Thema. Man könnte also sagen es handelt sich um eine „Dramödie“. Ben sitzt seit seinem Autounfall im Rollstuhl und tyrannisiert die ihm immer wieder neu zur Seite gestellten Zivildienstleistenden. Mit Christian trifft er auf einen lebenslustigen Zivi, der sich nicht schikanieren lässt. Zwischen den beiden entwickelt sich sogar eine Freundschaft. Dieser steht dann aber die Studentin Annika im Wege, in die sich beide verlieben. Trotzdem entsteht zwischen den Dreien eine Bindung, die sich zu einer Freundschaft entwickelt.

    Selten wurde das Thema der Schwerbehinderung mit so viel Witz und Leichtigkeit verbunden ohne dabei die ernste Seite aus den Augen zu verlieren oder gar zu verniedlichen. Die sarkastischen und zynischen Sprüche sowie die teilweise komischen Handlungen verleihen dem Film neben den stillen Szenen seine Einzigartigkeit. Hervorzuheben der Versuch des Geschlechtsverkehrs, der wohl jedem Zuschauer die Probleme eines Querschnittsgelähmten unverblümt vor Augen führt ohne dabei jedoch den moralischen Zeigefinger zu erheben. Die Darsteller harmonieren hervorragend. Ein besonderes Lob gebührt dabei Robert Gwisdeck, der eine preiswürdige Darstellung des Querschnittsgelähmten abliefert. Die meisten Menschen werden schon ihre Erfahrung mit Rollstuhlfahrern gesammelt haben. Oftmals wollen sie sich trotz Angebots nicht helfen lassen oder fallen durch rücksichtsloses Auftreten gegenüber anderen Menschen auf. Dieser Film lässt den Zuschauer nachvollziehen und vielleicht auch verstehen, warum Rollstuhlfahrer manchmal so unsympathisch auftreten. Es zeigt sich wieder einmal, dass der deutsche Film abseits eines Herrn Schweiger oder der Comedyszene hervorragende Werke in die Kinos bringt. Leider wird der Film aber nicht die hohen Zuschauerzahlen die er verdient hätte bekommen, da das „Zugpferd“ eines populären Schauspielers fehlt.

    Der Film ist absolut zu empfehlen (er ist sozusagen „Porno“, was laut Christian das Wort „geil“ ersetzt), da er trotz ernsten Hintergrunds sehr gut unterhält und zum Nachdenken anregt und erhält daher eine 2+

    _________________
    Nicht alles was der Kardassianer sagt hat er auch so gemeint ;-)


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     Betreff des Beitrags: Re: RENN, WENN DU KANNST (27.07.2010)
    BeitragVerfasst: Mo, 02.08.2010, 11:28 
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    Registriert: Mi, 27.08.2003, 23:16
    Beiträge: 559
    Erstaunlich gut!

    Beim Thema "deutscher Film" zucke ich immer gleich etwas zusammen, haben mir doch realitätsfremde Pröllkomödien wie Bang Boom Bang, hirntote Grotesken wie Keinohrhasen und laienhaftes Over-acting mit geschwollenen Monologen das Thema in den letzten beiden Jahrzehnten gründlich vermiest.

    Da kommt plötzlich Renn, wenn du kannst mit einer groben Ehrlichkeit daher, die aufmerken lässt. Selten habe ich deutsche Schauspieler mit einer solchen Natürlichkeit und Glaubwürdigkeit in ihrer Rolle aufgehen sehen. Der Zuschauer ist schnell in die Handlung involviert und vergisst, daß es sich nicht um eine Multi-Millionen-Dollar Produktion handelt.

    Der junge querschnittsgelähmte Ben (Robert Gwisdek), dessen Hauptbeschäftigungen das Piesacken seiner Zivis und vom Balkon Frauen auf den Hintern zu schauen zu sein scheinen, bekommt einen neuen Zivi: Christian (Jacob Matschenz). Dieser lässt sich von Ben nichts gefallen, ist aber ein guter und verlässlicher Kumpel, wodurch sich fast von Anfang an eine Freundschaft zwischen den beiden entwickelt. Doch da ist auch noch die schöne Musikstudentin Annika (Anna Brüggemann, Schwester des Regisseurs Dietrich Brüggemann, die auch mit ihm zusammen das Drehbuch geschrieben hat), der Ben schon seit Jahren hinterher schaut, und die Christian grade kennengelernt hat. Schon sind wir mitten in der schönsten klassischen Dreiecksbeziehung - die im Verlauf des Films durchaus zu überraschen vermag, anstatt sich in Klischees zu verlaufen.

    Die größte Teil dieser dramatischen Liebesgeschichte ist gefüllt mit bösem schwarzem Humor und sarkastischen Sprüchen, die für großartige Unterhaltung sorgen. Nicht verhaltenes Kichern sondern lautes Gelächter füllt den Kinosaal, einmal rief sogar jemand "wie geil ist das denn?" (ich glaube das war ich selbst - wie peinlich...). Mit Humor wird der Zuschauer geködert, bis er schließlich alle Distanz hat fallen lassen. Und wenn es dann ans Eingemachte geht, und das Gelächter im Halse stecken bleibt, schlägt die Geschichte voll ein und geht unter die Haut. Das ist eine geniale und altbekannte Taktik, aber sie wirkungsvoll umzusetzen ist schwierig - und wird hier einwandfrei gemeistert.

    Neben der hauptsächlich zu erzählenden Geschichte werden noch eine Reihe von sozialen und alltäglichen Problemen eines an den Rollstuhl gefesselten Menschen behandelt, und zwar ohne Blatt vor dem Mund oder Beschönigung. Und vor allem ohne jemals auch nur für eine Sekunde zum weinerlichen Sozialdrama zu verkommen. Wahrhaft kein einfaches Kunststück, auch dafür ein besonderes Lob an die Geschwister Brüggemann. Danke!

    Ein ideales Beispiel, wie gut deutsches Kino sein kann!
    1

    _________________
    Das Leben ist zu kurz für schlechte Filme!


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     Betreff des Beitrags: Re: RENN, WENN DU KANNST (27.07.2010)
    BeitragVerfasst: Mo, 02.08.2010, 14:20 
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    Registriert: Do, 17.06.2004, 17:21
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    Wohnort: Hannover
    Inhalt:
    Er erzählt von einem einsamen Behinderten im Rollstuhl, der seine Welt versucht, schuldig für sein Schicksal zu sein. So drangsaliert er seinen Zivi. Aber der neue Zivi lässt nicht sich unterbuttern. So entsteht eine Freundschaft auf Zeit. Beide interessieren sich für eine Radfahrerin.

    Kritik:
    Dieser deutsche Film war eine gute Wahl und kommt ehrlich rüber.

    Note: 1

    _________________
    Bis zur nächsten Sneak!

    Andi
    Private Homepage: http://www.abecker.info


    Die Sneak ist Kult und RaubkopierIn raus! Basta!

    Member of Team Eldagsen
    Unsere offizielle Homepage mit (P)reviews und mehr:
    Bild
    http://www.teameldagsen.de

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